Tage wie dieser ...
Ich weiß ja nicht, ob ihr's schon wußtet, aber ich persönlich kann Berlin nicht ausstehen - ich wohne nur in dieser Stadt. Und warum mag ich diese Metropole nicht? Zu laut, zu dreckig, zu voll ... Ja, vor allem zu voll, siehe gestern.Aber von vorn:
Schon am Samstag war ich recht entnervt von diesen ganzen Fußballfans, die nicht nur rund um das Olympiastadion in Rudeln mit häßlichen Trikots und halbleeren Bierflaschen grölenderweise die Gegend unsicher gemacht haben. Die halbe Innenstadt wurde - mal wieder, gibt ja kaum Anlässe, wozu die das hier machen - gesperrt und in eine Party-Fußballfan-Biermeile verwandelt.
Jetzt mag der eine oder andere einwerfen, daß man an einem solchen Tag ja nicht in die Innenstadt fahren muß und so den Fußballfans aus dem Weg gehen kann. Tja, nur irgendwann möchte unser Jakob auch mal raus und wenn man in der Nähe des Olympiastadions wohnt, ist nix mehr mit aus dem Weg gehen. Und es ist ja nicht so, daß diese Horden sich erst kurz vor dem Spiel versammelt hätten ...
Aber das war ja noch nicht alles an diesem tollen Wochenende.
Nein, da Samstag noch nicht genug von der Stadt abgesperrt worden war, kam jemand ganz Cleverer auf die Idee, für Sonntag praktisch alles dicht zu machen, wo noch Vekehr hätte fließen können - Velothon nannten sie das dann, ein Marathon für Radfahrer.
Ganz schön einfallsreich, einen Tag nach einem Fußballspiel, zu dem keine Ahnung wie viele Fans von außerhalb nach Berlin gereist sind, alle erdenklichen Ausfallstrecken dicht zu machen, über die Touris sowie erholungswillige Berliner das Moloch der Stadt hätten hinter sich lassen können.
Die einzige Möglichkeit, Berlin im Südwesten zu verlassen war die Avus, die ja bekanntermaßen seit einigen Wochen in genau dieser Richtung auf eine Spur verengt ist. Toll eingefädelt!
Ursprünglich wollten wir einen Ausflug zum Tierheim Verlorenwasser in Belzig machen. Unmöglich, wenn man allein über eine Stunde (wenn nicht mehr) braucht, um überhaupt nur die Stadtgrenze hinter sich zu lassen - eigentlich entspricht das der Gesamtfahrtzeit.
Es ist ja nicht so, daß ich nicht mittlerweile diverse Schleichwege kennen würde, aber dank der Radrennveranstaltung endeten die alle in einer Sackgasse. Nicht einmal ins Hundeauslaufgebiet sind wir gekommen, so voll waren die Straßen.
Aber irgendwann ist es einem dann egal, ob der Hund irgendwo theoretisch nur mit Leine durch die Gegend wandern darf oder nicht und man steuert das erst beste Ziel an, an dem sich dann doch Grün und Bäumchen befinden. Also auf zum Teufelssee. Eine Strecke, die man eigentlich locker in unter einer Viertelstunde bewältigen kann. Es sei denn, es ist ein Sonntag nach einen Fußballspiel, zu dem diverse Fans angereist sind, und an dem unbedingt eine Radveranstaltung stattfinden muß. Da braucht man dann schon mal mehr als dreimal so lange und ist am Ende einfach nur noch entnervt.
Liebe Stadt Berlin,
vielleicht könntet ihr in Zukunft ja wenigstens versuchen, etwas cleverer zu planen. Das geht. Bestimmt. Man braucht nur ein Fitzelchen Hirn dafür!
Es ist ja schön und gut, daß ihr viele Touris und deren Geld in die Stadt locken wollt, aber eventuell könntet ihr auch ab und zu einmal an die denken, die hier ständig leben (müssen).
Es kann doch nicht angehen, daß man etliche Male im Jahr praktisch in seiner eigenen Wohnung festhockt, weil ihr mal wieder die gesamte Stadt in eine Sperrzone verwandeln müßt. Ganz ehrlich: Das ist doch scheiße!
Laßt doch wenigstens diejenigen, die dieser häßlichen Hauptstadt so häufig wie möglich entfliehen wollen, die Möglichkeit dazu und kerkert uns hier nicht ein. Im Fachjargon nennt man sowas übrigens Freiheitsberaubung. Aber das nur am Rande.
Entnervte Grüße
Das Senfbrötchen
P.S.: Ich hab noch einen Spruch für eure dämliche Be-Berlin-Kampagne, mit deren Geld, was da reingepulvert wurde, man sicherlich die eine oder andere Schule auf Vordermann hätte bringen können:
Sei verplant
Sei unfähig
Sei Berlin
Der Artikel wurde am 23.05.2011 von Bea veröffentlicht.
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Judith aus Schwabenländle (07.07.2011 - 21:25)
Wenn ich mal einen Bericht über Berlin im Fernsehen erzappe, denke ich mööönsch, wie toll, da pulsiert das Leben, da gibt es alle Schicksale die du dir denken kannst, oder aber auch nicht mal vorstellen kannst. Aber dann bin ich doch wieder froh, daß ich nur eine Provinzschnecke bin.
Vielleicht kannst du den Moloch ja eines Tages hinter dir lassen.:-)
Grüßle
Vielleicht kannst du den Moloch ja eines Tages hinter dir lassen.:-)
Grüßle
Bea aus noch Hauptstadt (10.07.2011 - 19:55)
Ich arbeite im Moment intensiv daran, diesem Moloch zu entfliehen und meine Heimat ein wenig außerhalb neu zu definieren ;)

