Mit dem Zweiten sieht man besser
Jakob's Augen-OP ist mittlerweile fast zwei Wochen her. Dank Inhalationsnarkose war er gute zwei Stunden nachdem wir ihn abgegeben hatten schon wieder fast fit, wollte unbedingt selbst laufen und bloß nicht von Frauchen getragen werden. Sein Gang war anfangs noch schwankend, als wir Zuhause ankamen, merkte man ihm aber so gut wie nichts mehr an.Glücklicherweise ließ Wauzel die OP-Naht in Ruhe - da hatten wir ja schon ganz andere Sachen mit ihm erlebt. Aber diesmal schien es ihn nicht zu stören und die Wundheilung konnte ganz ohne Zwischenfälle ablaufen.
Am Freitag dann wurden die Fäden gezogen und ohne sie fällt das fehlende Auge auf den ersten Blick kaum auf. Wenn irgendwann noch das für die OP abrasierte Fell nachwächst, ist auch die Narbe verdeckt und zurück bleibt ein ewig zwinkernder Hund.
Die ersten paar Stunden war der Anblick vom einäugigen Wauz zugegebenermaßen noch ein wenig ungewohnt, ist jetzt für uns aber schon völlig normal und auch keinesfalls schlimm oder gar abstoßend.
Auf der Straße werde ich öfter gefragt, was denn mit dem Auge ist, denn einigen Leuten fällt es doch auf, und wenn ich erkläre, daß es entfernt werden mußte, gibt es immer viel Mitleid mit Jakob. Das ist allerdings meiner Ansicht nach völlig überflüssig, denn schließlich geht es ihm jetzt nicht schlechter als zuvor. Im Gegenteil. Sehen konnte er links schon vor der OP so gut wie nichts mehr, sein Sichtfeld war bereits merklich eingeschränkt und Bewegungen auf dieser Seite nahm er gar nicht mehr wahr, außerdem muß das Auge auch Schmerzen verursacht haben. Die ist er nun los und sehen kann er genauso viel wie vorher.
Natürlich wurden auch schon Stimmen laut, die auf meine Erläuterungen hin, daß dem rechten Auge irgendwann das gleiche Schicksal droht, nachfragten, ob wir Jakob dann nicht einschläfern lassen würden ...
Liebe Leute da draußen: Blindheit bei einem Hund ist kein Grund ihn gleich einschläfern zu lassen! Sicher ist es eine Umstellung, allerdings finden sich in den allermeisten Fällen die Hunde weitaus schneller mit der neuen Situation zurecht als ihre Halter. Der Hund denkt nicht darüber nach, daß er blind ist und wie toll die Zeit doch war, als er noch sehen konnte, sondern sieht zu, sich so schnell wie möglich mit den gegebenen Umständen zu arrangieren.
Ein blinder Hund hat trotz allem eine Lebensqualität, denn die wird nicht darüber bestimmt, ob er sehen kann oder nicht, sondern über das, was wir ihm als Halter geben - Liebe, ein Zuhause, Futter und Sicherheit.
Allein die Tatsache, daß mir diese Frage in der kurzen Zeit seit der OP schon mehr als einmal gestellt wurde, stimmt mich doch traurig. Jakob ist in jedem Fall liebenswert und kann ein schönes Leben führen, egal ob mit zwei Augen, einem oder gar keinem mehr.
Zum Abschluß noch eine kleine Foto-Reihe, angefangen mit einem Bild von vor genau zwei Wochen - einem der letzten von Jakob mit beiden Augen:

Man sieht schon sehr deutlich die Veränderungen.
Diese Fotos entstanden nur ein paar Tage nach der OP und man merkt, welche Lebensfreude der kleine Wauz ausstrahlt:


Und fürs Letzte ein ganz aktuelles Bild - ganz ohne Fäden und mit einem Blick, der nicht weniger zum Dahinschmelzen ist als noch vor zwei Wochen:

So ist der Kleine nun Pirat.
Und obwohl wir ihn auch als blinden Hund natürlich nicht im Stich lassen werden, kann die 'Beförderung' zum Käptn von mir aus noch ein wenig auf sich warten lassen.
Der Artikel wurde am 21.02.2011 von Bea veröffentlicht.
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Judith aus Schwabenländle (23.02.2011 - 18:33)
Hey, hallo, willkommen in der Welt der Einäugigen. Du bist immer noch ein ganz Hübscher.

