Weiß = Knut?
Wieso geht man in den Zoo?Klar, um sich Tiere anzuschauen, die man sonst nicht unbedingt zu Gesicht bekommt.
Und warum noch?
Na?
Nichts?
Also, ich finde es auch immer wieder schön, dass man bei einem Zoo-Besuch etwas lernen kann. Nämlich eben über die Tiere, die da so in der Gegend rum stehen und die man sich anschaut.
Manchmal glaube ich allerdings, dass ich mit meiner 'etwas-lernen-Einstellung' ein wenig allein dastehe auf weiter Flur.
Wie ich darauf komme?
Ganz einfach: Man stelle sich einmal in einen beliebigen Zoo vor eine beliebe Anlage mit einer beliebigen Tierart. Und dann warte man ab. Die nun zwangsläufig früher oder später folgende Beobachtung kann man an Wochenenden, Feiertagen oder in der Ferienzeit besonders häufig machen.
Es wird eine Mutter oder ein Vater oder auch beide Elternteile (ja, so etwas soll es auch heute noch geben) mit einem oder mehr Kindern an eben dasselbe Gehege treten. Möglicher Weise handelt es sich auch um eine Gruppierung, die man Neu-Deutsch 'Patchwork-Familie' nennt. Circa 0,893 Sekunden später wird aus dem zahnbelückten Mund des Erben der (ehemaligen) Dichter und Denker Nation die Frage kommen: "Mamaaaaaaaaa? Was ist das da dehenn für ein Tihier?"
Und nun wird es spannend!
Wie geht es hier weiter?
Möglichkeit A: Mama hat mit den Kleinen immer schön Tierbücher angeschaut / Biologie studiert / ist die Urenkelin von Heinz Sielmann und kann die Frage ohne zu zögern sofort richtig beantworten - inklusive lateinischem Namen, Herkunft, Ernährungsweise und natürlichen Feinden.
Möglichkeit B: Mama weiß nicht recht, was das für ein Tihier ist, geht aber ganz souverän zu dem kleinen Schild (wahlweise einer großen Schautafel) wo eben genau diese Information zu finden ist und trägt diese, so als hätte sie schon etliche Lesungen vor Publikum gehalten, flüssig und ohne zu stocken vor.
Möglichkeit C - das ist die, die leider am häufigsten vorkommt: Mama hat keine Ahnung, was sie da vor sich hat, ist aber wohl der Meinung, dass das eh nicht so wichtig ist und sagt einfach irgendwas. So wird schnell aus dem Afrikanischen Wildhund eine Hyäne, aus dem Nasen- ein Waschbär, aus dem Teichhuhn eine Ente oder auch mal aus dem Erdmännchen ein Meerschwein. Ja, auch das soll es geben.
Eine Warnung möchte ich an dieser Stelle aussprechen: Bitte nie, wirklich niemals auf die Idee kommen in einem solchen Fall Mama korrigieren zu wollen. Das wird nichts. Wirklich nicht. Ich spreche da aus Erfahrung.
Klammern wir uns lieber an die Hoffnung, dass der Sprössling irgendwann selbst die Fähigkeit besitzt, Schautafeln im Zoo nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu lesen und vielleicht - wenn es ganz gut läuft, aber auch nur dann - zu verinnerlichen.
Eventuell folgt ja dann auch die Erkenntnis, dass nicht alles Knut heißt, was weiß ist.
Der Artikel wurde am 04.05.2010 von Bea veröffentlicht.
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Blueberry aus Immer noch im Westen (31.05.2010 - 19:07)
Erdmännchen ein Meerschwein
... aus dem Präriehund ein Hamster... autsch das tut echt weh >.
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